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Als Liquiditätsfalle bezeichnet man die Erscheinung, dass Geld bei sinkenden Zinssätzen nicht mehr für Investitionen angeboten wird und somit dem Wirtschaftskreislauf tendenziell entzogen wird. Sie wurde von dem Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes beschrieben.
Grundsätzlicher Zusammenhang
Sofort verfügbares, flüssiges (liquides) Geld, das in diesem Zustand noch nicht Geldkapital ist, besitzt gegenüber langfristig investiertem Vermögen und gegenüber der Ware a priori einen entscheidenden Vorteil. Liquides Geld bietet die Möglichkeit, sowohl für Kauf als auch für Investition sofort zur Verfügung zu stehen. Bei jederzeitiger Zahlungsbereitschaft und damit rascher Handlungsfähigkeit - auch über einen längeren Zeitraum hinweg - kann der Geldhalter auf "wesentlich bessere" oder doch zumindest auf "bessere Alternativen" warten.
Den beschriebenen, dem flüssigen Geld immanenten "Liquiditätsvorteil" gegenüber der Ware identifiziert John Maynard Keynes als Ursache für die "Liquiditätsprämie des Geldes". Dieser Vorteil lässt sich nach Keynes bei etwa 3 Prozent beziffern. Demnach stünde flüssiges Geld grundsätzlich nur dann am Finanzmarkt als Kredit zur Verfügung und könne damit zu Geldkapital werden, wenn der dafür zu erwartende Geldzins diesen Liquiditätsvorteil von etwa 3 % übersteigt oder ihn zumindest ausgleicht.
Als Folge der "Liquiditätsprämie des Geldes" würde für Investitionen, deren Rendite unterhalb dieser "ehernen Grenze" von etwa 3 % liegt, kein Geld zur Verfügung gestellt werden. Solche Investitionen würden somit nicht getätigt werden. Das gelte für Investitionen in Sachkapital ebenso wie für Anlagen am Kreditmarkt. Da die für Investitionen in Sachkapital zu erwartende Rendite (der "Sachzins" oder "Realkapitalzins") bei steigendem Sachkapitalstock, also wachsender Ausstattung mit Produktionsmitteln, stetig abnimmt, unterblieben dann oft langfristig wichtige Investitionen. Flüssiges Geld(vermögen) (Liquidität) steht dem Wirtschaftskreislauf dann verstärkt nur noch kurzfristig zur Verfügung. Es würde - in Folge der Erwartung der Liquiditätsprämie - gehortet. Das Tauschmittel Geld (François Quesnay: "Blutkreislauf, Transportmittel") wird zum (dem Wirtschaftskreislauf entzogenen) "liquiden" Schatzmittel, wird also in Wirklichkeit "illiquide". Zunehmend fehlen dem Wirtschaftskreislauf die notwendigen langfristigen Finanzmittel (Kredit-Verknappung).
Das - infolge verbesserter Sachkapitalausstattung - eintretende Absinken der Rendite von Sachkapital ("Sachzins" ) auf unter drei Prozent führt nach Keynes in die "Liquiditätsfalle": Geld bleibt zunehmend liquide, steht dem Wirtschaftskreislauf nur noch kurzfristig zur Verfügung. Die Folge davon ist eine strukturelle Nachfragelücke und langfristig Deflation verbunden mit latenter Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit. Es werden somit Krisenerscheinungen virulent, die zunehmende staatliche Eingriffe in das Wirtschaftsleben hervorrufen. Oft geschieht dies in Form von wiederholten enormen "Finanzspritzen" und Zinssenkungen der Zentralbank, was wiederum zunehmend latente Inflationsgefahr bei gleichzeitig steigender Deflationsgefahr bedingt, ein "Tanz auf des Messers Schneide". Hand in Hand wächst damit die staatliche Reglementierungsbereitschaft.
Der andauernde Fluss der Liquiditätsprämie kann nach Keynes zu gewaltigen "Vermögens-Umverteilungen" führen.
Wenn die Wirtschaftsteilnehmer einen steigenden Zinssatz erwarten, kaufen sie keine zusätzlichen zinsbringenden Wertpapiere, da deren Wert bei einer Zinssteigerung fallen würde und dem Risiko des Wertverlustes keine Aussicht auf Wertsteigerung infolge von wieder fallenden Kreditzinsen entgegensteht. Demzufolge wird Geld weder für Wertpapiere noch für Güter ausgegeben. Es wird dem Wirtschaftskreislauf in spekulativer Absicht entzogen und in der Spekulationskasse gehalten, verschwindet also in der Liquiditätsfalle. Damit ist die Gefahr einer Deflation verbunden.
Der kritische Zinssatz ist der sogenannte Strike-Zins, der nicht unterschritten wird, weil die Wirtschaftsubjekte trotz der Erhöhung ihres Geldbestandes nicht mehr in Zinstitel investieren. Die Geldpolitik der Zentralbank als Mittel der Nachfragestimulation wird unwirksam, weil auch bei weiter fallenden Zinsen die Nachfrage nach Wertpapieren nicht steigt. In dieser Situation muss der Staat zur Ankurbelung der Wirtschaft aktiv werden, beispielsweise durch eine expansive Fiskalpolitik. Eine solche Situation kann eintreten, wenn der Zinssatz nahe oder genau null ist. Eine Ausgabenerhöhung des Staates aufgrund einer Liquiditätsfalle bedeutet, dass der Staat von der Wirtschaft gezwungen werden kann zu investieren, um einer Deflation vorzubeugen. |